© Anke Lehmann

Über Schlern und Rosengarten

Anke Lehmann

24.06.2022

In vier Tagen geht’s vom Schlern durch den Rosengarten… und das bei besten Bedingungen, es hätte wirklich nicht besser sein können - stabiles Bergwetter, Sonne, ein Meer von Blumen, steile Pässe, fantastische Dolomitenlandschaft - schroff, lieblich, immer im Wechsel, traumhafte Sonnenauf- und -untergänge, ein tolles Bergteam, schöne Hütten - purer Genuss! 

Um 5:00 Uhr geht’s los in Holzkirchen: Wir fahren über den Brenner fast bis Bozen, in Weißlahnbad bei St. Zyprian parken wir dann unsere Autos und beginnen unsere Runde. Durch die steile Bärenfalle geht es ohne Umwege hinauf auf das Schlernplateau, unser erstes Ziel… Almenrausch, Zirben, Blumen in allen Farben, Einkehr auf der gemütlichen Sessel-Schwaige und danach die letzten 500 Höhenmeter zum Schlernhaus, wo wir unsere erste Nacht verbringen… wunderbar ruhig ist es hier auf der Hütte, die Saison ist erst gestartet. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, steigen wir noch die letzten Meter hinauf zum Monte Pez - mit ausgezeichneter Rundumsicht auf die vielen Dolomitengipfel… atemberaubend schön. Danach genießen wir im großen Saal des Schlernhauses unser gutes Abendessen und freuen uns auf unsere gemeinsamen Bergtage bei bester Wetterprognose. 

Am nächsten Morgen - es ist mein Geburtstag - steigen wir um 4:45 Uhr wieder zum Monte Pez und genießen die aufgehende Sonne über den Gipfeln… unbeschreiblich schön, aber auch eiskalt. Wir bleiben lange oben, bevor wir uns auf den Rückweg machen zum Frühstücken.  

Und dann geht’s los, unsere zweite Etappe steht an: Über das windige Plateau des Schlern wandern wir hinüber zur Tierser-Alpl-Hütte und von dort weiter Richtung Plattkofel. Am Mahlknechtjoch zweigen wir dann aber ab nach Süden zum Passo di Dona, der uns zum Rifugio Antermoia und dem gleichnamigen See bringt… was für eine grandiose Szenerie hier, beim Aufstieg zunächst wieder Zirben, Blumen, alles grün… aber auf der Hochebene von Antermoia wähnen wir uns eher in der Mongolei denn in den Alpen, grandios, diese wechselnden Eindrücke, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Dann noch 2 Pässe, ein großes Schneefeld und ein steiler Abstieg zur Grasleitenpasshütte, wo wir etwas trinken, bevor wir gemütlich hinunter wandern zu unserem zweiten Etappenziel, der Vajolethütte. Hier ist dann doch schon viel mehr los, viele Kletterer*innen sind unterwegs… kein Wunder, im Angesicht der wilden Valojettürme. Herrlich war unsere heutige Etappe!! 

Nun beginnt der dritte Tag. Wir machen einen Abstecher und steigen mit leichtem Gepäck von der Hütte über einen versicherten steilen Steig durch die Felsen hinauf ins Gartl und weiter zum Santnerpass, einer Abbruchkante mit Blick wieder hinüber zum Schlern, Latemar und hinunter nach Bozen. Überall gelber Mohn zwischen den Felsen… wir genießen ohne Ende und saugen alles in uns auf… vor allem diese Vajolettürme, die über uns aufragen. Über denselben Weg dann wieder hinunter zur Hütte, wo wir unsere Rucksäcke voll bepackt schultern und uns auf den Weiterweg machen… wieder einmal über einen Pass - den Passo delle Zigolade. Nach dem Abstieg geht es herrlich auf einem Höhenweg entlang zur schönen Rotwandhütte, hier genießen wir wunderbaren Kuchen und frische Getränke und stärken uns für den Rest unserer heutigen Etappe. Über den bekannten Hirzel-Panoramaweg erreichen wir am späten Nachmittag bei ruhigem Sommerwetter unser letztes Ziel, die Kölner Hütte. Wir verteilen uns wieder auf die Zimmer und ahnen nicht, dass es noch eine Überraschung geben wird an diesem Abend - Sonnwendfeuer an der Hütte und auf allen Bergen ringsum, am Ende haben wir ungefähr 50 Feuer gezählt, wie schön, als hätten wir nicht ohnehin schon so viel Glück gehabt mit dem Wetter und dem guten Spirit in der Gruppe. Von der Terrasse genießen wir also dieses Spektakel und sind einfach nur dankbar für solch schöne gemeinsame Stunden am Berg. 

 

Am nächsten Tag steigen wir dann schweren Herzens ab ins Tal, nochmal herrlich entlang des Felsmassivs des Rosengartens durch blühende Wiesen vorbei an schön geschnitzten Bänken, Südtirol hat einfach Charme!!

Auf der Plafötsch Alm ist montags eigentlich Ruhetag, aber wir dürfen uns doch gemütlich unterm Sonnenschirm niederlassen, heiß ist es hier unten, je tiefer wir ins Tal zurückkehren. Sogar Kuchen gibt es noch einmal für uns und kalte Getränke. Dann ist es Zeit, aufzubrechen und die letzten Höhenmeter ins Tal abzusteigen, am Ende machen wir alle ein erfrischendes Armbad in einem Brunnen und nähern uns dem Parkplatz, wo wir unsere Runde dann beenden, aber auch hier noch einmal eine wunderbare Überraschung: ein Wasserfall!

So hat es uns auf unserer Hüttenrunde durch den Rosengarten wirklich an gar nichts gefehlt, wir sind einfach nur total glücklich und dankbar, so schöne Tage gemeinsam in den Dolomiten erlebt zu haben… wir kommen wieder!!