© Thomas Rychly

Eine Bikerin und sieben Biker, viele Höhenmeter und ein unerschütterlicher Glaube an Gelato

2026 sollte es mal wieder hoch hinausgehen – und zwar richtig.

Unser Ziel: Bormio, bekannt für hohe Berge, spektakuläre Landschaften und Trails, bei denen man sich zwischendurch durchaus fragt, warum man eigentlich nicht einfach im Tal geblieben ist.

Tag 1 - Eine kleine Aufwärmrunde

Damit die Anreise nicht gleich einen kompletten Urlaubstag verschlingt, trafen wir uns am Samstag um 9:00 Uhr am Fernpass. Zum Einrollen stand der Blindsee-Trail auf dem Programm. Unsere kleine Truppe bestand aus sechs E-Bikern und einem unerschrockenen Bio-Biker. In Biberwier wurden die Räder gesattelt und los ging’s Richtung Grubigstein.

Nach rund 700 Höhenmetern erreichten wir den Einstieg zum Trail. Allerdings hatte der Berg offenbar andere Pläne: Bergab ging es zunächst einmal nicht. Nach einigem Auf und Nieder begann sich der Trail dann doch eindeutig in Richtung Tal zu winden.

Die Aussicht auf den tief unter uns liegenden Blindsee war fantastisch, das Bergpanorama sowieso. Allerdings war der Trail deutlich anspruchsvoller, als ich ihn in Erinnerung hatte. Deshalb blieb für das Panorama hauptsächlich in den kurzen Verschnaufpausen Zeit. Es erscheint gesündern zu sein, während der Fahrt dem Trail die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Richtig knackig wurde es dann am Uferweg des Blindsees. Zahlreiche Wurzeln stellten unsere Fahrtechnik auf eine harte Probe. Diese wurde von allen mit Bravour bestanden – mehr oder weniger elegant, aber stets mit Haltung.

Anschließend ging es mit dem Auto über Fernpass, Reschenpass und Umbrailpass weiter nach Bormio.

Im Hotel fanden sowohl wir als auch unsere Räder einen gemütlichen Platz. Und natürlich wurden alle – Fahrerin, Fahrer und Fahrrad – bestens mit Energie versorgt. Schließlich wollten wir am nächsten Morgen wieder hoch hinaus.

Tag 2 - Bormio 3000 – und die Tücken der Digitalisierung

Am Sonntag ging es mit der Seilbahn hinauf nach Bormio 3000. Von dort erwartete uns eine sensationelle Abfahrt Richtung Santa Caterina.

Vor dem Vergnügen stand allerdings noch die moderne Welt: Das Ticket sollte online gekauft werden, es winkten bis zu 20% Nachlass. Acht Boomer saßen also über ihren Smartphones und versuchten, die digitale Herausforderung zu meistern. Manche mit Erfolg.

Der erhoffte Online-Rabatt blieb zwar aus – dafür bescherte uns die moderne Buchungstechnik eine zusätzliche Stunde Smartphone Tipperei. Der Segen der Digitalisierung hat uns da irgendwie nicht erreicht.

Dafür entschädigte der Trail umso mehr. Anspruchsvoll, abwechslungsreich und mit einer fantastischen Szenerie. Eine kleine Gruppe unserer Teilnehmer durfte außerdem die wertvolle Erkenntnis gewinnen, dass eine Abkürzung im Gebirge nicht zwangsläufig schneller zum Ziel führt.

Tag 3 - Pinzini-Hütte – hoch hinaus und tief hinunter

Am Montag radelten wir von Santa Caterina hinauf zur Pinzini-Hütte auf rund 2.700 Meter. Anschließend folgte eine lange und spektakuläre Trailabfahrt zurück nach Bormio.

Im Vergleich zu unserer Tour vor neun Jahren wurde allerdings deutlich, wie stark sich die Landschaft verändert hat. Die Gletscher sind sichtbar zurückgegangen. Wir konnten uns in fast 3.000 Metern Höhe problemlos im T-Shirt bewegen und es fühlte sich sogar angenehm warm an.

Die eigentliche Konstante unserer Reise war eine andere: Gelato. Nach nahezu jeder Tour wartete unten im Tal die verdiente Belohnung. Manchmal wurde daraus auch ein Affogato. Auf jeden Fall lebten wir nicht schlecht.

Tag 4 - Alte Militärstraßen und neue Gelato-Ziele

Die nächste Tour führte uns auf einer alten Militärstraße oberhalb von Bormio bis auf knapp 2.400 Meter. Von dort ging es über wunderschöne Trails zunächst über blühende Wiesen und später durch schmale Waldpfade wieder talwärts.

Die Abfahrt war abwechslungsreich und landschaftlich großartig. Und wie sollte es anders sein: Am Ende wartete das Gelato.

Es entwickelte sich ein fester Tagesablauf: hochfahren, runterfahren, Gelato suchen - finden und verspeisen.

Tag 5 - Monte Pedenolo – der Berg des Pedelecs

Am nächsten Tag ging es auf alten Militärwegen zum Monte Pedenolo. Schon der Name deutet es an: Ein Pedelec ist hier eindeutig das passende Fortbewegungsmittel.

Denn wir fuhren den alten Trail tatsächlich im Uphill.

Für uns überraschend hatten einige gut trainierte Cross-Country-Biker dieselbe Idee. Chapeau! Das ist wirklich eine Herausforderung für Gleichgewichtssinn, Lunge und Beine.

Ein nahendes Gewitter überzeugte uns schließlich davon, die Sache nicht unnötig auszureizen und lieber wieder umzukehren. Das Gewitter selbst zog sich nach ein paar Donnerschlägen zwar wieder zurück – aber wir hatten unsere Entscheidung längst getroffen.

Es schien vernünftiger, die vielen Höhenmeter schnell abzubauen und die Sicherheit des Gelatos anzustreben.

Tag 6 - Gavia-Pass – Jahrmarkt auf 2.600 Metern

Am vorletzten Tag ging es von Santa Caterina mit der Seilbahn auf rund 2.760 Meter. Von dort starteten wir auf einen tollen, überwiegend abwärts führenden Trail Richtung Passo dell’Alpe.

Anschließend folgte eine nicht minder schöne Abfahrt bis zur Gavia-Passstraße. Von dort ging es hinauf zur Passhöhe – mitten hinein in den allgemeinen Jahrmarktstrubel.

Denn heutzutage ist der Gavia-Pass ein Ziel für so ziemlich alles, was Räder hat und mindestens zwei davon besitzt: Rennradler, E-Biker, Vespa-Clubs, Mopeds und natürlich die unvermeidlichen 4-rädrigen Vehicle.

Und natürlich wollen alle oben einkehren. Wir selbstverständlich auch.

Die anschließende Abfahrt auf dem Pfad zurück nach Santa Caterina war dann wirklich phänomenal. Natürlich nicht ohne die obligatorischen, schweißtreibenden Gegenanstiege. Denn ganz ohne Gegenleistung gibt es auch am Gaviapass kein Trailvergnügen.

Tag 7 - Finale mit Tibet-Brücke

Die letzte Tour bot noch einmal ein landschaftliches und fahrtechnisches Highlight.

Unser Ziel war das Refugio Cesare Branca und anschließend die berühmte Tibet-Brücke mit dem darauffolgenden Trail.

Ein Teil unserer Crew wählte eine alternative Anfahrt zum Refugio. Auf Komoot sah diese Alternative wunderbar glatt, einfach und geradezu einladend aus.

Die Realität entsprach allerdings nicht ganz dem einfachen Komoot-Leben.

Mit einer guten Stunde Verspätung (trotz oder wegen B-Bike?) hatten die Abenteurer dann das Essen auf der Hütte verspielt, zumindest waren dann aber alle wieder glücklich vereint.

Bevor es auf den Trail ging, wartete noch eine kurze, aber heftige Tragepassage auf uns. Besonders mit dem E-Bike ist das ein Vergnügen der ganz besonderen Art. Ein Fahrrad, das bergauf eigentlich helfen soll, entwickelt beim Tragen plötzlich erstaunliche Fähigkeiten, sich möglichst schwer anzufühlen.

Aber irgendwann war auch das geschafft und das eigentliche Trailvergnügen konnte beginnen.

Und damit schloss sich der Kreis unserer Bormio-Reise: spektakuläre Landschaften, anspruchsvolle Trails, alte Militärwege, jede Menge Höhenmeter, gelegentliche Lektionen zu Abkürzungen und alternativen Wegen – und natürlich die wichtigste Konstante der gesamten Reise:

Gelato.

Eine Bikerin, sieben Biker, unzählige Höhenmeter und kein einziger Tag ohne eine ordentliche Portion Abenteuer.

Bormio – wir kommen wieder.

Aber nicht ohne ein Gelato.🍦🚵♂️