© Robert Blümke

Schweizer Hochtourentage (08.07. - 12.07.2026)

Mittwoch, Abfahrt 4.00 Uhr. Man erkennt sofort, es geht ganz weit rein in die Schweiz bis nach Leukerbad. Unser erstes Gipfelziel, den Wildstrubel Mittelgipfel (3.243m), nutzen wir auch, um uns etwas an die Höhe zu gewöhnen. Die Übernachtung in der Gemmilodge 2350, ist dabei vom Feinsten: Essen, Service, Ausstattung und auch preislich ein „Träumchen“.

Unser Gipfel am Donnerstag war ein voller Erfolg, wolkenlos und unglaubliche Rundumsicht:  Dom, Weißhorn, Matterhorn bis zum Mont Blanc war alles zum Greifen nah. Eines sollte man doch erwähnen, auch wenn dies ein vermeintlich leichter Gipfel ist, der Gletscher war schon sehr anspruchsvoll und die 1.050Hm mit 20km an Strecke merkt man dann doch irgendwann. Am Abend gab es als Nachspeise Tiramisu – und der Schmerz war wieder weg.

Am Freitag dann der Wechsel nach Zinal und einer der höchsten Hüttenanstiege der Schweiz, fast 1.600Hm hoch zur Cabane de Tracuit auf 3.256m. Für viele ist das bereits eine eigene stramme Bergtour. Die Hütte wurde erst 2013 neu gebaut. Und das merkt man auch: schöne große Lager, fast schon legendäre Aussicht aus den Panoramascheiben, Kartenzahlung und Trockenklos, die nicht stinken (unglaublich - aber immer noch im Waschraum). Wer Schweizer Hütten kennt, schätzt die sehr gute Qualität, wie hier gekocht wird. In der Höhe selbstgemachte Suppe, Salat, Hauptgang und Nachspeise ist schon ein Löbchen wert. Dementsprechend wurde sogar um jedes lecker geröstete Suppenbrotstückchen hart gekämpft.

Der Samstag war uns für unseren 4.000er einfach zu unbeständig, wir entschieden uns zum Ausschlafen, Erholen, Schweizer Hüttenmonopoly und - Insidern bekannt - einem entspannten „Öh, Öh, nix“ (was übrigens immer die Stapelaufnahme bedeutet).

Sonntag, 4.00 Uhr Frühstück, 4.45 Uhr Abmarsch mit Stirnlampe. Unser Gipfel, das Bishorn mit seinen 4.153m steht wie eine große weiße Rampe fast 1.000m höher vor uns. Die Temperatur weit über 0 Grad! Vorab gleich mal ein Lob an unsere Seilschaft: nach 3 Stunden am Gipfel und nach insgesamt 5 ¼ Stunden wieder an der Hütte. Wer das Bishorn kennt, weiß diese tolle Leistung zu würdigen.

Zurück zum Aufstieg. Die untere offene Spalten- und Schneebrückenzone bereitete keine Probleme, auch nicht der weitere geradlinige Anstieg bis zur ersten Steilstufe. Leider ging es aber im Steilen weiter direkt hoch, allein beim Anblick schmerzten die Wadeln. Außerhalb der Spur war auch keine Option, hier sanken dank der Wärme viele bereits bis zur Hüfte ein. Wir haben uns prima hochgekämpft (Robert war beim Tempo eher meinungsstabil), hatten einiges an Seilschaften hinter uns gelassen und standen so tatsächlich ganz alleine am Gipfel. Da dürfen dann auch mal Tränchen kullern, noch dazu war dies für zwei von uns der erste 4.000er.

Im Abstieg kam uns unsere Schnelligkeit zum Vorteil, noch war die Spur nicht aufgeweicht. 10 Uhr an der Hütte zurück, das Vormittagsbier und Aprikosenkuchenstück haben wir uns redlich verdient. Ab jetzt ganz kurz: „nur noch“ 1.600Hm im Abstieg, Bahnverladung Furka, um Zeit zu sparen, Vollsperrung bei Laax und 25km Umleitung, um Zeit zu verlieren. Um 23.45 Uhr Ankunft in Otterfing.

Tolle Hochtourentage mit einer tollen Seilschaft. Lieben Dank an Anke, Moni und Manfred.

Bis bald, Robert

Nachtrag: Wenn man die ganze Nacht nicht geschlafen hat, woher kamen dann die „Schlafgeräusche“, die der linke/ die rechte Schlafsacknachbar(in) gehört haben?